Die Gemeinde Chieming liegt direkt am Ostufer des Chiemsee auf halber
Strecke zwischen München und Salzburg.
Auf einer Höhe von
530m über N.N. erstreckt sie sich über ein Gebiet von 38km². Im
Jahre 2003 wohnten 4.500 Einwohner in den 40 Ortsteilen der Gemeinde. Die
Geschichte des Ortes Chieming reicht weit in die vorchristliche Zeit
zurück. Durch seine zentrale Lage am See siedelten hier bereits Kelten und
Römer. Zahlreiche Fundgegenstände belegen dies eindrucksvoll.
Besonders hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die römischen
Weihesteine in der Pfarrkirche
Chieming, die dem Gott Bedaius gewidmet sind.
Der Ort Chieming hat
darüber hinaus dem Chiemsee und dem Chiemgau seinen Namen gegeben.
Namensgeber des Ortes soll der Gaugraf Chiemo gewesen sein, der zur Zeit
Karls des Großen hier residiert hatte. Leider konnte dies bis heute noch
nicht nachgewiesen werden. Die ersten urkundliche Erwähnungen von Orten
der Gemeinde Chieming geht auf das Jahr 788 zurück, wo aus einer
Schenkungsurkunde des Bistunis Salzburg dies ersichtlich gemacht wurde.
Die Gemeinden in Bayern entstanden erst Anfang des 19. Jahrhunderts und
so auch die Gemeinde Chieming. Bei der Gemeindegebietsreform im Jahre 1972
wurden der Gemeinde Chieming die Gemeinden Hart und Ising zugeschlagen. Mit der
Eingemeindung von Ober- und Unterhochstätt nach Chieming im Jahre 1983 war
die jetzige Größe der Gemeinde entstanden. Die Gemeinde Chieming hat
sich im Laufe seiner Geschichte von einer landwirtschaftlich geprägten
Gemeinde zu einer modernen Gemeinde entwickelt, bei der auch Handwerk, Gewerbe
und Tourismus ihren Stellenwert haben. So entstanden in den 90-er Jahren auf
einer Fläche von ca. 180.000m² zukunftsorientierte Gewerbebetriebe,
die über 300 Menschen einen sicheren Arbeitsplatz bieten.
Die
wunderbare Lage des Ortes direkt am Chiemsee und der 6 km lange Uferanteil
locken seit über 100 Jahren Urlauber nach Chieming.
Der große
Aufschwung des Tourismus setzte in den 50er Jahren ein. Im Jahre 2003 suchten
etwa 45.000 Gäste die Gemeinde Chieming auf und ließen die
Übernachtungszahlen auf 290.000 steigen.
Das vielseitige
Freizeitangebot lockt darüber hinaus viele Naherholer nach Chieming. Neben
allen Wassersportarten kommen in der Gemeinde Chieming auch Golfer, Reiter,
Tennisspieler, Radfahrer und Wanderer auf ihre Kosten.
Die Bürger
der Gemeinde Chieming können sich in ihrer Gemeinde wohlfühlen, da
vom Kindergarten, Schule und Turnhalle alle notwendigen Einrichtungen zur
Daseinsvorsorge vorhanden sind. Darüber hinaus befindet sich mit dem
Gymnasium in Ising eine weiterführende Schule in der Gemeinde Chieming.
Die Wasserversorgung und die Abwasserbeseitigung sind auf dem neuesten Stand,
wobei die Ringkanalisation am Chiemsee einen großen Beitrag zur
Verbesserung des Wasserqualität leistet.
Chieming, am Anfang des Jahres 2004
Max Brunner,
Altbürgermeister
Wenn man am Ufer des Chiemsees steht, die herrliche
Wasseroberfläche und im Hintergrund die Berge sieht, dann versteht man,
dass auch in uralter Zeit dieser Anblick fasziniert hat Deshalb ist es nicht
verwunderlich, dass unsere Gemeinde sehr früh besiedelt wurde.
Das
beweist die Tatsache, dass in allen Ortsteilen von Chieming
außergewöhnlich viele Bodendenkmäler steinzeilicher,
keltischer, germanischer, römischer und bajuwarischer Art entdeckt
wurden.
Dass Chieming archäologisch gesehen einer der
interessantesten Orte im Chiemgau ist, das wissen auswärtige Sondengeher.
Es lohnt sich also Chieminger Gemeindegebiet abzusuchen. Sie wollen die
gefundenen Gegenstände verkaufen und somit gehen diese wertvollen Funde,
welche die frühe und dichte Besiedlung unseres Ortes dokumentieren,
verloren.
Diese prähistorischen Funde haben auch deshalb eine so
große Bedeutung, da es bis in das 7. Jhd. n. Chr. so gut wie keine
schriftlichen Aufzeichnungen über unsere Gegend gibt.
Wir
apellieren daher an die Grundbesitzer, den Leuten das Graben nicht zu
gestatten, außer sie sind im Auftrag des Heimatvereins und der Gemeinde
tätig. Damit sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen, hat sich
der Freundeskreis Heimathaus Chieming e.V. zur Aufgabe gemacht, die
Frühsiedlungsgeschichte der Gemeinde zu erforschen, Gegenstände aus
dieser Zeit zu sammeln und diese in einer ständigen Ausstellung zu
zeigen.
Text: Rudi Leitermann
Foto: Thomas
Breyer
Bei einem unserer Besuche im Bayerischen Hauptstaatsarchiv
in München haben mein Freund Hans Helmberger (Redakteur des Traunsteiner
Wochenblattes) und ich (Anm.: Rudi Leitermann) die bisher älteste
Erwähnung des Ortes Chieming gefunden.
In diesem Dokument
vergleichen sich der Bischof Atto von Freising und Abt Liutfrid von
Chiemsee vor dem kaiserlichen Gericht (Karls des Großen) über
strittige Kirchen.
Aibling, 13.Januar 804
Der Abt wird
bezeichnet als "Abt des Klosters", das genannt wird Awa (=Aua) unterhalb des
Ortes Chiemingen gelegen.
Die strittigen Kirchen sind laut Bischof von
Freising einst dem Bistum des Herzog "Tassilo" (788 abgesetzt) entzogen worden.
Wenn die Überlassung also schon vor 788 erfolgte, müsste
das Kloster damals schon bestanden haben. Jedenfalls stand es noch 804.
Vielleicht gehörte es zu jenen, die bei den Ungarneinfällen
zerstört wurden (vor 955) und später andernorts wieder errichtet
wurden.
Der Herausgeber der Traditionen nennt es ohne Umschweife nach
dem "Abt vom Chiemsee". Dieses Dokument legte ich dem mir aus der Jugendzeit
bekannten Dr. Erich Stahleder, Landshut zur Begutachtung vor. Er ist einer der
renommiertesten Namenskundler und der ehemalige Leiter des Staatsarchivs.
Er schreibt u.a.: "Die Situation des Klosters ist interessant. Unter
anderem stellte er die Frage: "Was heißt für dich, der die Lage
kennt, unterhalb des Ortes? Ist das eine abschüssige Stelle, oder meint
man damit am Auslauf eines Baches oder sogar Kilometer entfernt eine Stelle?
Mit unterhalb des Ortes ist mit großer Sicherheit der Platz gemeint,
auf dem das heutige Schloß unterhalb des Ortes steht.
In
archäologischen Kreisen sind die römischen Altäre von Chieming,
die dem Fluss- oder Wassergott Bedaio (Bedaius), oder den sonst nirgends
genannten Alounen (Alonae) geweiht waren, berühmt geworden. Die Bedeutung
dieser Alounen ist noch nicht sichergestellt, doch scheinen sie Wesen zu sein,
die der Erde Nahrung zuführten, sie befruchteten.
Der erste dieser
Bedaiussteine wurde 1813 beim Abbruch der Peterskapelle gefunden. Der Stein war
bestens erhalten, die Inschrift sehr gut lesbar.
Im Fundprotokoll
heißt es:
Er wurde 1813 in Chieming, Bez. Amt Traunstein, beim
Abbruch der St. Peterskapelle, woselbst er als Baustein verwendet war, entdeckt
und 1816 dem kgl. Antiquarium einverleibt." Ferner fand man im Jahre 1814 an
der Kapelle des Hl. Johannes in Stöttham einen Gelübdestein des
Jupiter Arubianes und des Sanctus Bedaius, gesetzt, 225 n.Chr. von Verus,
Benefiziar der 2.ital. Legion. Im Protokoll dazu steht: Gefunden von dem
kgl. Landrichter v. Klöckl an der Kirche des Hl. Johannes in
Stöttham, Bez. Amt Traunstein und 1818 dem kgl. Antiquariat
einverleibt."
Ein dritter Stein wurde beim Umbau des alten Schlosses unter
der Stiege gefunden. Die Inschrift ist bekannt. Über den Verbleib gibt es
keine Aufzeichnungen. Laut Bericht des Forstamtes Marquartstein, ebenda,
vom 17. Dez. 1830, wurde im Garten des unteren Wirts ein großer Stein
ausgegraben, welcher eine römische Inschrift enthielt, aber nicht gut
lesbar war." Herrn Ohlenschlager, Dozent der kgl. Bayer. Akademie der
Wissenschaften, wurde im Jahre 1874 erzählt, dass dieser Stein im unteren
Wirtshause oder im Hause des Bösl wieder eingemauert worden
sei.
Ein fünfter Stein, aus Untersberger Marmor, kam am 9.
März 1882 beim Abbruch des Hochaltares der früheren Pfarrkirche zum
Vorschein. Die Maße sind: 70 cm Höhe, 30 cm Breite, 22 cm Dicke. Am
gleichen Tag wurde am nördlichen Seitenaltar ein weiterer Altarstein
gefunden. Ein siebter Weihestein wurde aus der Mauer hinter dem Hochaltar
genommen. Er ist das Sockelstück eines Altares, das einem Drittel der
Gesamtgröße entspricht. Dieser, einem Gott geweihte Altar,
wurde im Jahre 152 n.Chr. an einer heiligen Stelle des jetzigen Chieming
errichtet (Zitat Ohlenschlager). Am 17. April 1882 wurde ein weiterer Stein aus
Untersberger Marmor mit schönen großen Buchstaben gefunden. Die
Entstehungszeit wird mit 225 n. Chr. angegeben. Dieses Vorwiegen von Funden aus
der Römerzeit mit Sakralinschriften, die in der früheren Kirche
eingemauert waren, nötigt uns den Gedanken auf, dass diese
Vorgängerkirche an der Stelle eines alten römischen Heiligtums erbaut
wurde. Diese Altäre" wurden beim Ausgraben der Fundamente zur
heutigen Kirche entdeckt. Auch im Zuhaus des Bäckers Millkreiter soll noch
ein Weihestein eingemauert gewesen sein, dessen Wiederauffindung H.H. Pfarrer
Korntheuer für wahrscheinlich hielt. Diesem Pfarrherrn ist es zu
verdanken, dass drei dieser Bedaiussteine noch im Gemeindebesitz
sind.